Aachen hat einen neuen Bischof

Während eines Pontifikalamtes im Aachener Dom wurde Helmut Dieser offiziell in das Amt des Bischofs eingeführt und anschließend im Rathaus empfangen.

 

GRUSSWORT ZUR AMTSEINFÜHRUNG DES NEUEN BISCHOFS VON AACHEN; DR. HELMUT DIESER
 

Sehr geehrter Herr Nuntius, Eminenzen und Exzellenzen!

Sehr geehrter Herr Vizepräsident des Landtages, sehr geehrte Ministerpräsidentin!

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Wir sind hier heute  zu einem ganz besonderen Anlass zusammengekommen, der nur selten in Aachen gefeiert werden kann: Die Amtseinführung eines neuen Bischofs.

Es ist für uns Aachener eine besondere Ehre in unserer Mitte den neuen Bischof von Aachen, Herrn Dr. Helmut Dieser, begrüßen zu dürfen.

Im Namen der Stadt Aachen gratuliere ich Ihnen, Herr Bischof Dieser, sehr herzlich zu Ihrer Ernennung zum Bischof von Aachen. Wir freuen uns, dass Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff einen tüchtigen Nachfolger erhalten hat, und dass wir nun nach fast einem Jahr wieder einen Aachener Bischof haben.

Herzlichen Dank auch an Ihren Vorgänger, den emeritierten Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff, der über 20 Jahre das Aachener Kirchenleben und die Struktur des Bistums geprägt hat, und an Weihbischof Karl Borsch, der während der Sedisvakanz des bischöflichen Stuhles die Diözese verwaltet hat.

Die Geschichte des Bistums Aachen ist im Vergleich zu anderen deutschen Bistümern noch recht jung; Aachen gehörte lange zu Lüttich. Sie sind nun der 8. Bischof von Aachen und wir hoffen, dass Sie sich hier genauso wohl fühlen werden wie im Bistum Trier, in dem Sie 27 Jahre gewirkt haben.

Die beiden Bistümer sind direkte Nachbarn und zwischen Aachen und Trier gibt es einige Gemeinsamkeiten, wie z.B. die Heiligtumsfahrten, die den Standortwechsel für Sie vielleicht erleichtern mögen. Sie dürfen sich darauf freuen, auch in Aachen wieder in einer sehr geschichtsbewussten Stadt mit einem architektonisch kostbaren Dom zu arbeiten.

Gerade stehen wir im Krönungssaal des historischen Rathauses, in dem - trotz des Namens - nie Könige gekrönt wurden. Die Krönungen fanden immer im Aachener Dom statt und anschließend wurde dann das Krönungsmahl hier im Rathaus eingenommen. Eine ähnliche Zweiteilung haben wir auch heute noch bei Ihrer Bischofseinführung erlebt: erst Beten im Dom und dann Essen und Trinken im Rathaus.

Damit wird eine Zusammenarbeit zwischen Stadt und Kirche in alter Tradition fortgeführt. Schließlich besitzt der Rat der Stadt ein Konkustodienrecht an den Aachener Heiligtümern.

Bis zur französischen Zeit begann jede Ratssitzung mit einer heiligen Messe. Über die Frage, ob denn dann auch kluge Beschlüsse gefasst wurden, weil göttlicher Ratschluss hernieder kam, sind die Historiker geteilter Auffassung. Die Messen wurden hier im Krönungssaal gelesen. Der Rathausaltar stand in der Apsis, in der sich heute die Kopien der Reichskleinodien befinden. Übrigens gibt es den letzten Rathausaltar heute noch, und zwar in Sankt Peter. Er steht heute dort in der Kapelle der Maria vom Guten Rat, der Name spricht!

Man sieht, der weltliche und der geistliche Bereich sind hier in Aachen eng aufeinander bezogen. Wir kooperieren, wo wir können. Sogar den Katschhof verwalten wir gemeinsam, weil ein Teil der Stadt, ein anderer dem Domkapitel gehört. Und diese Kooperation und das gute Einvernehmen sehen Sie auch hinter mir an den Wappenschildern, denn dort befindet sich neben Stadtwappen und Reichswappen das offizielle Wappen des Domkapitels (Kombination des deutschen Reichsadlers mit der französischen Lilie).

Diese Kooperation ist gerade heute wichtig, denn Europa braucht Werte, die die Politik nicht schaffen, sondern nur fördern kann. Wir Aachener sind uns dessen bewusst, denn in diesem Saal wird jedes Jahr der Internationale Karlspreis vergeben, die höchste Auszeichnung, die Europa für die Pflege dieser Werte verleihen kann.

Sie sind, Exzellenz, am rechten Ort angekommen. Für Ihr verantwortungsvolles Hirtenamt wünschen wir Ihnen von Herzen Gottes Segen.

Und nun wünsche ich Ihnen allen ein frohes Fest und ein gutes Gelingen auf einer neuen Wegstrecke des Lebens im Bistum Aachen.

Dr. Margrethe Schmeer